|
Vitamin C
Kalt, erfrischend, aber auch schwer, haftet der Morgenreif auf den Blättern des Usambaraveilchens. Stetig erklimmt die Morgenröte den Scheitel der Hügelkette gegenüber und alles verliert nun langsam den dunklen Schleier der nächtlichen Schatten. Die reichhaltige Erde schimmert, in dem noch zärtlich streichelnden Licht der Sonne. Verschreckt zieht sich das Gemüt der erquickenden Feuchtigkeit in die Tiefen des Bodens zurück, wo ein komplexes Wurzelwerk nur darauf wartet sich an dem nährenden Stoff zu ergehen. Wenn der Himmel es für unnötig hält Erbarmen zu zeigen, sollten wir uns einander den Ball zuspielen. Transparenz. Sanftlächelnd, wärmereflektierend und vor Freude übermütig, tänzelt die Lebendigkeit über das satte Grün, welches die fruchtige Straße des Lebens bedeckt. Streitigkeiten erfüllen die Stimme des Windes mit schlagendem Groll und Peitschen zischen giftgrün durch die Lüfte und dahinter quillt von oben die purpurne, einnehmende Unterdrückung herab, die Chancengleichheit suggeriert, ohne dabei die bestehende Möglichkeit der Nichtduldung in Betracht zu ziehen. Wenn man einmal begriffen hat, wie ein Wesen sich seinem Strahlen entziehen kann, dann ist der Moment der Veränderung gegeben.
Warum nur verhält sich Hass, wie die fehlenden Kletten in diesem von außen betrachtet schönen Blumenbeet, das in dem langweiligen Nutzgarten als Fanal für ein goldenes Dasein steht. Was nicht gesehen wird, sind die Kämpfe, die untereinander ausgefochten werden, bei denen das Leben an sich in beunruhigender Abwärtsbewegung befindet. Überlegen blinzelt man hinüber zu den anderen Gewächsen und denkt und spricht es aus, denn was haben sie schon zu erwarten. Konkurrenzen erwachsen aus den Umständen der Umgebung heraus und aus der Agonie, die wohl eher für ein gemeinsames Wachstumsinteresse sorgen sollte.
Kugeln aus denen gelblichjunge Geschwülste heraustreten, die nach und nach vom Dreck dunkel eingefärbt werden, muten im ersten Eindruck hässlich an, doch sind sie es, die der Stabilität Sorge tragen und keinen Wert darauf legen ostentativ, wie die Mondfrucht im Garten Babylons, aufzuwarten. In der Tiefe verflechten sich die durchdringenden, von der Angst verhafteten Gefühle, die, wenn man nicht zurückkehrt an die Oberfläche, einen fesseln im bunten Meer der Trostlosigkeit. Die Nähe zu den profunden Angelegenheiten verschafft eine gewisse Professionalität im Umgang mit der Außenwelt, mit der andere konfrontiert sind. Gekrümmt vom Schmerz durch die Isolation von der Sonne, liegt es nahe, der allgemeinen Gewalt auszuweichen und zu verzichten auf Selbstverständliches, jedoch wird man bei dem Angebot der gegenseitigen Hilfe nicht ablehnen und somit nicht eingehen.
Schon beinahe überlegen wuchten die Knollen ihr Inneres in den Himmel empor und fleißig koppeln sie die Stränge ihrer Lebenslust zwischen uns, wodurch die Beschwerden der Entziehung abfallen und eine neue und gefestigtere Energie die Bahnen durchströmt. Zwar verblassen die herrlichen Farben dadurch, doch diese sind kein Ort der einen zuverlässig aufnimmt. Schaut nur her, wie die Blütenkraft der Begünstigten einher geht, mit dem Neid, der aus einer Verzweiflung ragend, im Sumpf der vernichtenden Müßigkeit untergeht. Durch das Gefühl der Geborgenheit bestätigt, fällt es leicht mit dem scheinbar Grässlichen, Hand in Hand gegen das Fama des vorgesetzten Schönen anzutreten und im Taumel, der aus vielen Differenzen erlesenen Gemeinsamkeiten, formativ in das Zusammenwirken der Schmeichler einzugreifen.
An einem weiteren Morgen züngelt der Hauch der Erinnerung, den Sog der Vergeltung in der Tasche tragend, Verwirrung stiftend durch das neugeordnete Feld der ungewöhnlichen Verbindungen. Doch der frischbereitete Boden lässt keine weitere Verankerung der einstmals vorherrschenden Ordnung zu, die sich nun ohnehin völlig ahnungslos im Zug der versickernden Wasser, langsam im Gully verschwindet und in der Kanalisation der ausgedienten Ideologien in den Ozean des Vergessens getrieben wird.
Ein Niedergang ist prompt geplant, der die Anderen, denen es auch zusteht, wieder ins Licht führen wird.
Für manche dörrt unsere gemeinsame Substanz aus und selbst jetzt erspürt man immer noch nicht wie einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Doch nur wenige schaffen es oder sind dazu bereit, ihr Wurzelgeflecht zu entwirren, um Platz zu machen für neue Ideen oder gutgemeinter Konvergenzen.
Infos können angefordert werden bei:
Christian Streinz ->
|