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24.04.2007 - 03.06.2007
West Licht präsentiert erstmals in Österreich ein Best Of des amerikanischen Visionärs der Landschaftsfotografie
Mit seinen atmosphärischen Natur- und Landschaftsaufnahmen hat der US-Amerikaner Ansel Adams (1902-1984) unser Bild vom amerikanischen Westen bis heute geprägt. Es war die beeindruckende Natur des Yosemite National Parks (Kalifornien) die Adams zur Fotografie führte und für dessen Schutz er sich in späten Jahren einsetzte. Adams, Mitglied der Künstlergruppe "f/64" (benannt nach der Objektivblende 64), erreichte mit seiner Aufnahmetechnik eine größtmögliche Schärfentiefe und Detailgenauigkeit. Perfekte Komposition und Lichtführung sowie feinste Tonwerte kennzeichnen die künstlerisch gestalteten Bilder des Meisters der Großbildkamera.
Die Ausstellung bei West Licht – die erste Adams-Personale in Österreich – zeigt die Essenz seines Lebenswerkes zusammengefasst in einer persönlichen Auswahl von rund 75 Schwarz-Weiß-Aufnahmen (aus der Sammlung Anne Adams Helms), ausgesucht von Adams im letzten Jahrzehnt seines Lebens. „Classic Images“ beinhaltet die bekanntesten seiner Motive – Nahaufnahmen der Natur, Architekturstudien, Porträts und vor allem jene einzigartigen Bilder der Landschaft Nordamerikas, die ihn international berühmt gemacht haben. Sein fotografisches Oeuvre blieb konkurrenzlos an Qualität und Quantität und beeinflusste eine ganze Generation von Fotografen, seine Beteiligung am Aufbau der fotografischen Abteilung des Museum of Modern Art in New York machen ihn zu einem festen Bestandteil der Fotografiegeschichte.
Zusatz – CS:
Historische Entwicklung / Themen:
1) generell: Fotografie als Forschungsinstrument – 2. Hälfte des 19. Jhdts.
insbesonders: bei der „Entdeckung“ bzw. des Westens der USA und seiner Landnahme. Fotografen: William Henry Jackson, Timothy O’Sullivan, Andrew J. Russell, William Bell, Carleton E. Watkins, Eadweard Muybridge – viele von ihnen hatten während des Sezessionskrieges eine fotografische Ausbildung genossen, nach dem Krieg wandten sich Regierung und Privatunternehmen der Erforschung und Erschließunhg – Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie - dieser Gebiete zu. Fotografen begleiteten diese Unternehmungen wie etwa topographische Expeditionen um zu vermessen, zu dokumentieren und zu berichten. Natürlich zeugen diese Bilder nicht nur von landschaftlicher Schönheit, sondern transportieren die verschiedensten Ideologien das Naturschöne betreffend. Nicht zuletzt sind sie ebenso Zeugnis der Inbesitznahme (oft gekoppelt mit der Vertreibung der Ureinwohner) und Urbarmachung bzw. in weiterer Folge Kultivierung und Industrialisierung.
Fotografen und Landschaftsmaler inspirierten einander ebenso wie Literaten im ausgehenden 19. Jhdt, und erreichten auch eine größere Öffentlichkeit – die Fotografien waren für die Entstehung der Nationalparks nicht unwesentlich, die Art der Landschaftsdarstellung auch für das 20. Jhdt. prägend.
2) Die Neue Fotografie in den USA, 1920-1940
neue Ästhetik der „straight photography“ als Opposition zum Piktorialismus, orientiert an modernistischer Ästhetik (neue Sachlichkeit und Realismus in Europa); das Dokumentarische, das Mechanische, das Technologische und Formale rückten in den Vordergrund; fragmentarische Ausschnitte des Gesichtsfeldes dominieren, scharf fokussiert, volle Bandbreite der Tonwerte, starke Kontraste, Motive oft aus dem modernen Alltagsleben – dieser „fotografische Realismus“ stand im Gegensatz zum Piktorialismus der „Kunstfotografie“ dieser Zeit (etwa von Edward Steichen) und wurde als „freie, unpersönliche Forschungstätigkeit“ diskreditiert. Beeinflussung auch durch Tendenzen in der Kunst der moderne – Kubismus, Dadaismus. Vertreter waren (vor allem) Alfred Stieglitz, Paul Strand, Charles Sheeler, Morton Shamberg und Edward Weston (in Kalifornien) Viele Fotografen und -innen dieser Richtung begannen später für Werbeagenturen und Magazine zu arbeiten und beeinflussten diesbezüglich eine jüngere Generation: Paul Outerbridge, Margaret Bourke-White, Ralph Steiner. Daneben gab es die Linie der sozial-dokumentarischen Fotografie – Berenice Abbott, Walker Evans – die sich ab 1930 schnell verbreitete (National Farm Security Administration als Auftraggeber ab 1935 für Fotografinnen und Fotografen wie Walker Evans, Dorothea Lange oder Arthur Rothstein; die Zeitschrift „LIFE“, die 1936 gegründet wurde)
Ansel Adams traf Alfred Stieglitz in den 1930er Jahren – 1936 stellte Stieglitz in seiner New Yorker Galerie „An American Place“ (als Ausstellungs- wie Diskursort für Fotografie impulsgebend wie seine Galerie „Gallery 291“ und das von Stieglitz gegründete Magazin „Camera Work“) Fotografien von Adams aus, die von 1931 bis 1936 entstanden. Sie zeigten Adams’ Entwicklung von einer eher zweidimensionalen Gestaltung unter dem Einfluss der Gruppe f/64 hin zu einer plastischeren Bildauffassung mit kubistischer Formgebung, spannungsreicher Linienführung und Detailreichtum (feste Verwurzelung in der „Wirklichkeit“, keine Abstraktionen).
Einer der bekanntesten Werkkomplexe von Adams ist jener über den Yosemite National Park (CA/USA), der 1864 durch eine Erklärung Abraham Lincolns zur ersten „wilderness preserve“ wurde. In den frühen 1860er Jahren begannen Fotografen, Maler und Schriftsteller über Yosemite zu berichten und damit den Grundstein für Erzählweisen und Repräsentationen zu legen, die nicht nur den Nationalpark selbst, sondern auch Landschaft generell, die Landschaft des amerikanischen Westens im Besonderen, „unberührte“ Natur (Im Gegensatz zur Kulturlandschaft) betrafen (und unter anderem auch für die Schaffung eines ökologischen Bewusstseins ausschlaggebend waren).
Adams zeigte in seinen Fotografien um 1935 (als der Nationalpark schon als beliebtes Ausflugsziel galt und mit komfortablen Lodges ausgestattet war) eine Landschaft ohne Menschen und weltlichen/kulturellen Einfluss – und kreierte so ein Bild von Yosemite als zeitloses, geologisches Artefakt (ungeachtet der tatsächlichen geologischen Instabilität der Sierra Nevada). Yosemite wurde zum Bild of „American Nature“, Ansel Adams zum einflussreichsten Interpreten derselben: Einer sublimen/erhabenen, unberührten Natur frei von touristischer Zähmung.
Quellen: William Deverell, Niagara Magnified, in: Yosemite. Art of An American Icon, Autry National Center, Los Angeles 2007
Michel Frizot, Neue Geschichte der Fotografie, Köln 1998
Monika Faber, Geschichte der Fotografie bis 1945, unveröffentlichtes Vorlesungsmanuskript, Wien 1997
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